Theater am Berufskolleg – Finanzkrise in der Europa-Studenten-WG

Das 2013 entstandene Modellprojekt der Europa-Union mit dem Titel „Die Euro WG – wo Geld ist, ist es schön“ hat seine zweite Tournee durch Deutschland gestartet. Am 11. November 2015 gastierte das Theater unter der Leitung von Dirk Schubert und Regisseur Thomas Alexander Nufer am Berufskolleg. 200 Schüler sahen das Theaterstück, das ihnen die europäische Wirtschafts-und Finanzkrise näherbringen sollte. 

Anhand des Mikrokosmos einer Wohngemeinschaft werden die Zusammenhänge der Eurokrise nachvollziehbar gemacht. Bewohner dieser WG sind ein Deutscher, eine Griechin, ein Italiener und eine Finnin. Paul, dargestellt von Claus Becker, ist der deutsche Hauptmieter, der an seiner Masterarbeit schreibt und seine Mitbewohner als Studienobjekt für seine Abschlussarbeit in Soziologie betrachtet. Der italienische, arbeitslose Frauenheld Antonio, gespielt von Ludger Wördehoff, und die lebenslustige Griechin Xenia, dargestellt von Franziska Lutz, haben ihre Heimat verlassen, um sich in Deutschland eine bessere Perspektive zu suchen. Die vierte Mitbewohnerin ist die gut organisierte Finnin Sinii, die von Cara Albert gemimt wird. In der WG wird gekocht, geliebt und vor allem ständig um die leere Haushaltskasse gestritten. Wie auf europäischer Ebene wird diskutiert, wer aus der WG fliegt, oder ob vielleicht doch andere Lösungen gefunden werden. Am Ende siegt die Solidarität der Mitbewohner - trotz der Unterschiedlichkeit der Charaktere und Nationalitäten finden sie den Weg  zu einem gemeinsamen Zusammenleben, von dem jeder profitiert. 

„Mir hat besonders gut gefallen, dass wir so nah am Geschehen waren,“ so Wirtschaftsgymnasiastin Julia Hegemann. „Die Bühne war mitten im Publikum platziert. Dadurch entstand eine unmittelbare Nähe der Schauspieler zum Publikum, sodass die Schüler sich mitten im Geschehen fühlten. Vor allem Antonio rückte den in der ersten Reihe platzierten Schülerinnen gefährlich nahe und auch die anderen Schüler wurden mit einbezogen und zu ihrer Meinung befragt. Einige Male wurde das Stück auch unterbrochen, um ein Interview mit dem Vorsitzenden der Europa-Union Peter W. Wahl zu führen, der anschaulich den Zusammenhang der WG zu Europa vermittelte“, beschreibt Cornelia Wolf den Ablauf und das ungewöhnliche Bühnenarrangement. 

Gemeinsam mit Anna Dosoruth und Beatrix Wessel holt Wolf immer wieder Theaterensembles ans BKB. Diese Vorstellung richtete sich gänzlich an Schüler der Bildungsgänge aus dem Bereich Wirtschaft, die sich in Unterrichtsfächern wie Betriebswirtschaftslehre, BWL Europa, Volkswirtschaftslehre oder Außenwirtschaftslehre intensiv auch mit komplexen Themen wie der Finanzkrise befassen - Wirtschaftsgymnasium, Kaufmännische Assistenten, Höhere Berufsfachschule Wirtschaft und Verwaltung. 

Wirtschaftslehrer Matthias Siebert, der die Schüler der Oberstufe der Höheren Handelsschule in seinem BWL Unterricht auf diese Theatervorstellung vorbereitet hat, war begeistert: „Die Idee von der Übertragung der Vor- und Nachteile der Europäischen Union auf eine Studenten-WG gefällt mir ausgesprochen gut. Außerdem wurden die Geschehnisse in der Euro-WG immer wieder in Zusammenhang mit der Geschichte und aktuellen Probleme der Europäischen Union gebracht. So bot dieses Stück einen sehr guten Anlass, sich mit bedeutenden politischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Unseren Schülerinnen und Schülern hat gut gefallen, dass das Ensemble sie immer wieder in das Stück einbezogen hat.“ Und sein Kollege Jan Lachnicht ergänzt: „Es ist ja nicht immer ganz so einfach, die Schüler bei komplexen wirtschaftlichen Themen mitzunehmen. Die Idee, die Probleme der EU auf eine multinationale Wohngemeinschaft herunter zu brechen, ist hervorragend dafür geeignet.“

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