Von weißen Kitteln und schwarzen Tabletts – Betriebsbesichtigung bei Evonik

„Vom Erdöl zur Zahnbürste!“ – diese eher vage Aussage betitelte die im Mai ausgeschriebene Betriebsbesichtigung des Unternehmens Evonik im Chemiepark Marl. Welch interessantes und sehr gut organisiertes Programm sich dahinter verbarg, erfuhren die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer erst durch die ausführlichen Erklärungen des Fachleiters für die Berufsvorbereitung Michael Dopheide und seiner qualifizierten Kollegen in den einzelnen Anlagen der chemischen Industrie.

Auf dem Werksgelände, das nicht nur aufgrund der 6,5 qm² Fläche und der 10.000 Mitarbeiter riesig wirkt, stoppte die Gruppe zuerst im unternehmenseigenen Ausbildungszentrum, um Schutzkleidung entgegenzunehmen. Dabei stauten alle Teilnehmer über die bestens ausgestatteten Ausbildungswerkstätten und –arbeitsplätze, in denen bis zu 750 Auszubildende kaufmännische Berufe wie Industriekaufmann, chemische Berufe wie Chemielaborant oder auch technische Berufe wie Anlagenmechaniker erlernen. Die BKB-Technikexpertinnen Uta Schnelling und Denisa König hielten allerdings vergeblich Ausschau nach den insgesamt 10 angehenden Verfahrens- und Zerspanungsmechanikern, die am BKB ihren schulischen Teil der Ausbildung absolvieren. Michael Dopheide sagte zum Ausbildungskonzept des Unternehmens Evonik: „Für beide Seiten ist ein enger und intensiver Austausch zwischen den Lernorten äußerst wichtig. Nur in Symbiose können wir unseren Azubis die bestmögliche Ausbildung bieten.“ Dem pflichtete Uta Schnelling bei: „Was wir hier an Informationen mitnehmen können, erweitert unseren Unterricht ungemein. Zudem benötigen wir als Lehrer den Berufsbezug, was Betriebsbesichtigungen bestens leisten.“

Auch der restliche Teil der Lehrergruppe, der zumeist aus Lehrern des kaufmännischen Bereichs stammte, war von den Ausbildungsmöglichkeiten sehr angetan. Während des Tages erläuterten Dopheide und Kollegen gekonnt den Weg des Grundstoffs Erdöl bis zu einem Polyamid-Granulat, welches den Grundstoff bildet, aus dem moderne Schuhsohlen, Sonnenbrillen und vieles mehr hergestellt werden. Stopps an einer Pumpstation und dem Hafenlager, an dem eindrucksvoll eine Ölsperre demonstriert wurde, sowie einer Besichtigung der Butadienanlage, in der aus dem aus Gelsenkirchen-Scholven kommenden Crack-C4 (ein Gas, welches aus Öl gewonnen wird) mit Hilfe des NMP-Verfahrens 1,3-Butadien gewonnen wird, waren nur einige Highlights der knapp siebenstündigen Betriebsbesichtigung. Experten erläuterten verständlich die komplexen, chemischen Zusammenhänge. Die Begehung der Kotipoll- sowie KTK-Anlage, die dafür sorgen, dass Butadien in das oben beschriebene Granulat umgewandelt wird, verdeutlichte, dass eine 12-Stundenschicht bei Evonik kein Urlaub, sondern harte, körperliche Arbeit ist.

Am Ende des hochinformativen Tages waren allerdings nicht nur die Köpfe voll, sondern auch der Magen: Grund dafür war die ausführliche Stärkung im unternehmenseigenen Betriebsrestaurant „Culimar“. Alles in allem bilanzierte „Reiseleiterin“ Stefanie Kirschner stellvertretend für die stets gut gelaunte Lehrergruppe: „Top organisiert, sehr interessant, rundum super – ein toller Tag!“

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