Theaterstück gegen Gewalt löst heftige Diskussionen aus

Wie man Schüler (die überwiegend mit Theater nichts am Hut haben) mit dramatischem Bühnen-Schauspiel fesseln kann, zeigte das Ensemble Theatertill: Man verheimlicht dem jugendlichen Publikum einfach, dass im folgenden eine Theaterdarbietung stattfindet. 

Rund 400 Schüler des Berufskollegs wurden in den Lichthof geschickt, um sich Berichte über Gewalt anzuhören – von Tätern und Opfern. Die Agentur „Mensch – aber wie?“ habe fünf Personen geschickt, die im Rahmen von Sozialstunden an Schulen erzählen müssen, wie, wann und wieso sie gewalttätig geworden sind. 

Betroffen und gebannt verfolgt das Publikum den Bericht von Richard.  Er habe mit ansehen müssen, wie sein Freund zum Krüppel geschlagen wurde. Seitdem schlage er als Erster zu. Sein Motto: „Ist jemand nett zu mir, bin ich auch nett zu ihm. Sucht jemand Streit, schlage ich zu.“ Die Schüler mögen ihn. Er ist cool. Er spricht ihre Sprache. Er lässt sich nichts gefallen. 

Ganz anders der Nazi Lützel, der „einen asiatischen Laden aufgemischt“ habe, Inhaber und Angestellte verletzte. Ihn und Nicole, die eine Schülerin durch Mobbing in den Tod getrieben haben soll, mag das Publikum gar nicht. Der Ausländerhass des Nazis trifft auf großen Widerstand im Schüler-Publikum, darunter viele Deutsche mit Migrationshintergrund. 

Ebenso löst Nicole, die sich einer Mitschuld an dem Tod ihrer Klassenkameradin nicht bewusst ist, heftige, teilweise auch aggressive Emotionen aus, die sich bis in die anschließende Diskussion zwischen Schülern und Erzählern ziehen.

Der große Knall aber kommt ganz am Ende: die Charaktere outen sich als Schauspieler. Zunächst macht sich im Publikum ungläubige Enttäuschung breit, dann aber gibt es den verdienten Applaus und Anerkennung für die gute schauspielerische Leistung der Akteure. 

„Man hat gesehen, wie leicht man Menschen manipulieren kann“, so Melina Güler aus der 6W14A. „Die Schauspieler haben das sehr gut rübergebracht. Man hat aus verschiedenen Geschichten gelernt, was es für Arten von Gewalt gibt und wie man damit umgehen soll. Die Schauspieler haben einzelne Gruppen mitgezogen. Das Publikum wurde immer wieder sehr unruhig.“ 

Auch Beatrix Wessels, die gemeinsam mit Anna Dosoruth und Cornelia Wolf für das BKB-Theaterprogramm verantwortlich ist, war sehr erfreut über die Reaktion der Schüler. „Ich habe das Theatertill schon wiederholt eingeladen, weil die Schüler dabei über die emotionale Ebene angesprochen bzw. aufgefordert werden, sich mit den verschiedenen Gesichtern von Gewalt auseinander zu setzen. Außerdem erhoffen wir uns von der parallelen Durchführung des Projektes ‚Gewalt’, dass die Schüler die Veranstaltung mit der Erkenntnis verlassen, dass Gewalt niemals eine Lösung ist.“

zurück zu den aktuellen Nachrichten