Miteinander, voneinander, übereinander lernen

Zur letzten Konferenz des EU-Projektes „Intercultural Competence in Business“ reisten sechs Schüler und drei Lehrer des Berufskollegs ins polnische Owidz. Das 5-tägige Meeting bildete den Abschluss einer zweijährigen Zusammenarbeit von sechs europäischen Schulen. Das jahrgangsübergreifende Projekt beinhaltete Kommunikation via Internet, Arbeit in den Heimatländern an verschiedenen gemeinsamen Themen sowie Arbeitstreffen in Bratislava (Slowakei), Istanbul (Türkei), Oradea (Rumänien) und nun Owidz (Polen). 

„Irgendwie sind ja doch alle gleich", so der erste Eindruck von Berufskollegschülerin Ronja Kindl über die insgesamt 36 Schüler aus Schweden, Rumänien, Türkei, Slowakei, Deutschland und Polen, die zur Abschlusskonferenz des zweijährigen EU-Projektes „Intercultural Competence in Business" im polnischen Owidz, eine knappe Autostunde von Danzig entfernt, zusammengekommen sind. 

Um miteinander, voneinander und übereinander zu lernen, haben die Schüler im Unterricht mit den Mitschülern ihrer Klassen Fragen zu ihrem Heimatland erarbeitet, die nun in Polen – in der Schule Technikum im. gen. Józefa Hallera - in sechs multinationalen Arbeitsgruppen zu sechs Quiz in Form von computeranimierten „Magischen Spielwänden“ zusammengesetzt wurden. „Das war sehr spannend, aber auch anstrengend, die ganze Zeit Englisch zu sprechen", erzählt Bianca Sosinski, deutsches Mitglied einer Arbeitsgruppe mit der Slowakin Ivana, dem Polen Krzysiek, der Rumänin Andrea, der Schwedin Alba und der Türkin Tugce. Begeistert zeigen sich auch die Lehrer über das harmonische Miteinander. „Toll zu beobachten, wie gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, wenn zum Beispiel technische Probleme auftreten", so Hans Strömhäll, Schwedisch- und Rhetoriklehrer an der Stockholmer Wirtschaftsschule „Young Business Creatives.“

Das englischsprachige Quiz über landestypische Fakten und kulturelle Verhaltensunterschiede wird nach einer letzten technischen Überarbeitung zeitnah auf der EU-Comenius-Projektwebsite (zu finden über den „Europa am BKB“-Reiter auf www.berufskolleg-bottrop.de),  gemeinsam mit Berichten, Fotos und weiteren Arbeitsergebnissen des Projektes veröffentlicht und zum Beispiel im Unterricht mit den Mitschülern oder beim bevorstehenden Schulevent (9. Mai 2015) gespielt, so dass auch die Daheimgebliebenen vom finalen Arbeitsergebnis nachhaltig profitieren. 

Für das Berufskolleg waren die Kaufmännischen Assistenten der 2K13A/B Lena Jabs, Ronja Kindl, Bianca Sosinski, Fatih Kaba, Dominik Thamm und Alexander Kupreenko mit ihren Lehrern Thomas End, Stefan Hartmann und Jan Lachnicht vertreten und durften neben der intensiven Arbeit und dem offiziellen Empfang nebst Übergabe der Projekt-Zertifikate durch Leszek Burczyk (Kreisrat von Starograd-Gdansk) ein straffes, interessantes Rahmenprogramm der Gastgeber erleben. 

Beeindruckend war die Führung durch die Marienburg, der größten Ziegelsteinburg der Welt und zudem die größte niemals eingenommene Festung Europas, bei der die Reisenden viel über die mittelalterliche Geschichte Polens erfuhren. Die Betriebsbesichtigung der größten Porzellanfabrik Europas in Lubiana gab Einblick in Unternehmensstrukturen des Nachbarlandes und unterstrich die wirtschaftliche Thematik des Projekts. Im Museum „Europäisches Zentrum der Solidarność“ wurden die Besucher über die politischen Geschehnisse rund um die Gewerkschaftsstreiks mit Lech Walesa und den damit verbundenen politischen Konsequenzen aufgeklärt. 

Weitere Highlights: das auf dem Kopf stehende Haus in Szymbark, Tricity Danzig inklusive Sopot-Pier, Altstadt, Monte Cassino Street sowie die Baltic Arena des Erstliga-Clubs Lechia Gdansk, eines der Vorzeigestadien der Fußball-Europameisterschaften 2012.

„Das Projekt ist eine Fortbildung, ein Gewinn für alle Beteiligten, Schüler wie Lehrer. Die konstante Kommunikation in Englisch während der Projektarbeit und der dazugehörigen organisatorischen Absprachen, während aller Vorträge und Führungen, aber auch in alltäglichen Situationen wie beim gemeinsamen Essen oder beim Austausch über die unterschiedlichen Schulsysteme und das Freizeitverhalten, bringen einen enormen sprachlichen Zugewinn. Dazu kommt das Kennenlernen kultureller Unterschiede und nicht zuletzt die Förderung sozialer und personaler Kompetenzen - vor allem das steigende Selbstbewusstsein während der englischsprachigen Interaktion. Diese Komplexität kannst du mit einem Buch oder Skript im Unterricht nicht vermitteln“, bilanziert Englischlehrer Thomas End. 

Stimmen zum Projekt: 

Casien Sabâs Vasle, Rumänien: „Amazing, very good experience. I’m so glad because of communicating with others. It was awesome to be here – especially with the Germans.“ 

Vladimir Dosetta, Slowakei: „A really good idea. I loved it being here in Poland because I met many new amazing people. The day at school, the group work was the best experience.“ 

Alba Isaksson, Schweden: „Really nice to meet new people, cooperating on quizzes and walking around with them. Sightseeing were good choices, too. The only thing I would criticise is the weather.“ 

Hans Strömhäll, Lehrer aus Schweden: „Amazing to see the students working together, cooperating, solving problems – an experience you cannot teach with a book.“ 

Fatih Kaba, Berufskolleg Bottrop: „Es hat sehr gut getan, die ganze Zeit Englisch zu hören und zu sprechen. Ich habe viele neue Vokabeln gelernt, zum Beispiel von den anderen Schülern, als wir uns unsere Quizfragen gegenseitig erklärt haben. Anstrengend fand ich lediglich den sehr straffen Zeitplan – zum Beispiel am Donnerstag, als das Programm um 8 Uhr begann und nach 24 Uhr mit der Rückkehr ins Hotel endete.“ 

Bianca Sosinski, Berufskolleg Bottrop: „Ich fand die Woche sehr hilfreich für unser Vokabular – für mich nicht nur in Englisch, ich konnte auch mein Polnisch enorm verbessern. Es war toll in Gesprächen so viel über die Kulturen der anderen Länder zu erfahren und zudem Polen – das Geburtsland meiner Eltern - hautnah zu erleben. Ich habe alles aufgesogen.“ 

Alexander Kupreenko, Berufskolleg Bottrop: „Die Woche war sehr abwechslungsreich. Ich habe neue Leute kennen gelernt und deren Sitten und Ansichten. Ich fand cool zu erfahren, wie das Schulsystem in anderen Ländern ist, wie sie leben und was sie in ihrer Freizeit machen. Ich habe viel gelernt, allerdings waren es auch manchmal zu viele Informationen auf einmal. Insgesamt hat es viel Spaß gemacht, besonders wenn wir abends zusammengesessen haben. Mit einigen werde ich auf Facebook in Kontakt bleiben.“ 

Dominic Thamm: „Die langen, vollen Tage haben mich etwas gestört, dafür waren die Begegnungen mit den Schülern sehr nett und lustig.“ 

Lena Jabs, Berufskolleg Bottrop: „Ich fand es toll, Polen kennen zu lernen und so viele junge Leute aus anderen Ländern. Sehr interessant waren die Besichtigung der Marienburg und der Einblick in den Unterricht und die Abläufe an der Gastgeber-Schule. Die Erfahrungen waren jede Anstrengung wert und ich würde jederzeit wieder teilnehmen.“ 

Ronja Kindl, Berufskolleg Bottrop: „Die Tage waren lang und anstrengend, aber dadurch haben wir viel über Land und Leute gelernt. Alle Beteiligten waren sehr nett und man konnte sich sehr gut mit ihnen unterhalten.“ 

Stefan Hartmann, Lehrer am Berufskolleg Bottrop: „Sehr informativ für die Schüler und uns Lehrer – aber für mich als Nicht-Englischlehrer manchmal etwas viel. Sprachlich für alle Beteiligten enorm gewinnbringend – man kann sich den Gesprächen gar nicht entziehen. Beeindruckend, wie die Schüler miteinander umgegangen sind.“ 

Jan Lachnicht, Lehrer am Berufskolleg Bottrop: „Danzig hat mit seiner wechselhaften europäischen Geschichte nicht nur für Deutschland, sondern durch den Ausgangspunkt der Solidarność-Bewegung auch gerade für die Polen, Slowaken und Rumänen eine besondere Bedeutung und bot einen passenden Rahmen für das Thema interkulturelle Kompetenz.“ 

Thomas End, Lehrer am Berufskolleg Bottrop: „Es ist eine Freude zu beobachten, wie sich die Schüler von Tag zu Tag mehr öffnen, auf die Gespräche mit den Lehrern und Schülern der anderen Länder einlassen und immer selbstbewusster interagieren. Meine absolute Hochachtung auch vor deren Engagement in der Projektarbeit, ihrem Durchhaltevermögen und ihrem vorbildlichen Sozialverhalten. Sie haben uns als Vertreter unserer Schule, unserer Stadt und unseres Landes hervorragend repräsentiert. Wir sind sehr dankbar, dass solche nachhaltigen internationalen Begegnungen von der EU gewünscht und gefördert werden und unsere Schulleitung Schüler und Lehrer unterstützt, die sich für die Vermittlung des europäischen Gedankens engagieren.“

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