„Blue is the new Black“ – Besuch der Jugendarrestanstalt Bottrop

Frühestens seit der RTL-Serie „Hinter Gittern“ und spätestens seit der Netflix-Produktion „Orange is the new Black“ zieht das Thema „Freiheitsentzug“ eine gewisse Neugier nach sich, wie es nun wirklich hinter schwedischen Gardinen aussieht. Genau diesem Drang, einmal hinter die Kulissen eines Gefängnisses zu schauen, erlagen 20 Lehrerinnen und Lehrer des Berufskollegs der Stadt Bottrop, als sie die Jugendarrestanstalt in Bottrop im Rahmen einer Führung durch die dort angestellte Sozialarbeiterin Frau Nowak unter die Lupe nahmen.

Eine kurze Einführung brachte den anwesenden Kollegen nicht nur den streng reglementierten Tagesablauf (Wecken: 6.15 Uhr, Bettruhe 22.00 Uhr), sondern auch Informationen über die einzelnen Arrestarten, zu denen sich die Jugendlichen in die JAA begeben müssen: Freizeitarrest, Kurzarrest, Dauerarrest. Für Schmunzeln sorgte Nowaks Äußerung, dass vor allem in der schulfreien Ferienzeit die Arresträume voll belegt sind. „Der Grund ist aber, dass wir wollen, dass bei den Jugendlichen kein Unterricht verpasst wird, sofern sie noch schulpflichtig sind“, erläuterte Nowak aber im Anschluss.

Weiter ging es in die sogenannte Kammer, in der die Jugendlichen und Heranwachsenden durchsucht werden und sich ihrer privaten Gegenstände entledigen müssen. „Ihre Kleidung dürfen sie zwar behalten; wenn wir sie aber beim Schmuggeln von Zigaretten, etc. erwischen, bekommen sie blaue Einheitskleidung“, so Nowak, die dem Autor dieses Artikels somit eine Überschrift mit auf den Weg gab. Daraufhin zeigte sie den Kollegen die Bibliothek, in der die ausschließlich männlichen Arrestanten Literatur ausleihen können. Nowak ergänzte dabei: „Smartphones, etc. sind nicht erlaubt, der einzige Kontakt sind Briefe, die geschrieben werden dürfen. Auch Besuche sind in der Regel nur bei langen Aufenthalten erwünscht.“

In einem der 36 Arresträume war manchen Kollegen ein mulmiges Gefühl anzumerken, da die Enge und die spartanische Einrichtung so gar nichts mit den luxuriösen Hafträumen für Prominente zu tun hatten. „Wenn man dann bedenkt, dass die Jugendlichen das Bett nach dem Wecken bis zum Abend hochklappen müssen, um nicht chillen zu können, dann merkt man deutlich, dass der Aufenthalt eine Strafe ist“, so Lehrer Udo Wegmann. Nowak ergänzt aber: „Wir sehen den pädagogischen Effekt, den so ein Arrest haben kann. Daher versuchen wir mit den Jugendlichen so viel wie möglich zu arbeiten, um sie mit ihrem Verhalten zu konfrontieren und Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.“

Am Ende der Führung war für alle Pädagogen klar: Das hat sich gelohnt! Nicht nur aus persönlichem Interesse, sondern auch aus einer beruflichen Perspektive. Marion Knuth, Leiterin des Unterrichtsentwicklungsteams, formulierte es wie folgt: „Da wir nun wissen, dass hier Jugendliche wegen diverser Delikte und sogar wegen Schulschwänzen einsitzen, können wir unseren Schülern, sofern sie auf die schiefe Bahn geraten, eindrucksvoll vermitteln, welche Konsequenzen ihr Verhalten hat und vor allem, wo sie landen und wie sie ihre Arrestzeit absitzen, wenn sie sich nicht ändern.“

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