Frankensteins Monster erwacht am Berufskolleg

„Schon zwei Wochen nach Schulbeginn haben wir hier an der Schule wieder solch ein Theater“, witzelte Klaus Wiegert, Stellvertretender Schulleiter des Berufskollegs, zur Begrüßung der gut 400 Schüler aus Abitur- und FHR-Bildungsgängen, die sich für eine weitere Darbietung des renommierten Theaterensembles American Drama Group im Lichthof eingefunden hatten. Unerwartet komödiantisch ging es auf der Bühne weiter - überraschend, zumal ein Horrorstück auf den Plakaten angekündigt wurde. Frankensteins Monster wurde zum Leben erweckt und ein müder Montagmorgen durch die humoristische Adaption des Mary-Shelley-Romans zu einem schaurig-schrägen Schultag. 

Anna Dosoruth-Lück, Cornelia Wolf und Beatrix Wessel, verantwortlich für Auswahl, Engagement und Organisation der Theaterdarbietungen am Berufskolleg, entschieden sich mit Blick auf die Abiturprüfungen für eine Thematik, die zumindest den Voll-Abiturienten in Vorklausuren oder Zentralabitur-Prüfungen im Fach Englisch begegnen könnte. „Wissenschaft vs. Ethik - Wie weit darf die Wissenschaft gehen oder die Ethik der Wissenschaft im Weg stehen? Das sind zentrale Fragen des Stücks ‚Frankenstein – The Monster and the Myth’. Es ist kein bloßes Gruselstück, sondern wie bereits der Roman, ein Exkurs um die Frage der Vereinbarkeit von Wissenschaft und Moral und um die bewusste Entscheidung zwischen Gut und Böse. Darf die Forschung alles umsetzen nur weil es möglich ist?“, erläutert Anna Dosoruth-Lück. 

In der Version der American Drama Group ist Victor Frankenstein kein fanatischer Wissenschaftler, sondern ein junger Student, der eher zufällig in den Bann eines verrückten Professors gerät. Er verliebt sich in die Tochter des Professors und der Preis für ihre Hand ist das Leugnen der Existenz der Seele. Die Theorie des Professors besagt, dass der menschliche Körper nur eine Maschine, dessen Tod nur der totale Zusammenbruch des Systems und somit reparabel sei. Die BKB-Bühne wird zum Experimentierlabor, in dem an einem Menschenaffen und einer Kobra mit einem  Generator herumgedoktert wird, ehe Frankenstein schließlich das aus Leichenteilen zusammengeflickte Geschöpf belebt. 

„Mir war das Stück etwas zu klamaukig – einen Affen mit Flatulenzen oder angedeutetes Knutschen mit einem abgehackten Kopf hätte ich nicht gebraucht, - allerdings bin ich nicht die Zielgruppe, und wenn ein paar Zoten und Albernheiten das junge Theaterpublikum bei der Stange halten und die Thematik transportiert wird, soll es mir recht sein,“ so Englischlehrer Thomas End, der mit seinem Abitur-Grundkurs der Informationstechnischen Assistenten die Vorstellung besuchte. Die jedenfalls waren durchweg angetan. „Mir gefielen die Auflockerungen zwischendurch sehr gut, dadurch war die Präsentation in keiner Weise trocken. Die Schauspieler fand ich sehr professionell und die Geschichte fesselnd. Eine gute Mischung aus Spannung und Humor“, so Sven Wischnewski. Auch sein Mitschüler Christian Oczepek lobte „Witz und Wandelbarkeit“ der Schauspieler. Und dass das Stück in Zeiten von Gentechnologie, Klonen, Stammzellenforschung durchaus zum Denken angeregt habe, nicht zuletzt durch den finalen Satz der sterbenden Kreatur: „We are no monsters, we are the future!“ 

(Diese Pressemitteilung ist eine Gemeinschaftsproduktion der Klasse 1I13A und ihrem Englischlehrer Thomas End)

zurück zu den aktuellen Nachrichten